Waldemarstag in Lübeck 2019
Lübeck war einst die größte Stadt Dänemarks, das ist zwar schon sehr lange her, aber zu Beginn des 13. Jahrhunderts herrschte hier König Waldemar II. Und durch die günstigen Handelsbeziehungen, dadurch, dass die Ostsee ein dänisches Binnenmeer war, dadurch, dass Waldemar die alten Rechte, die der Stadt von Heinrich dem Löwen und Friedrich I. verliehen worden waren, erneuerte und darüber hinaus neue weiterreichende Privilegien verlieh, hatte Lübeck zu dieser Zeit eine Boomphase, die den Grundstein zu ihrer Position als spätere Königin der Hanse legte. Das allerdings hat erst die archäologische Forschung der letzten Jahrzehnte mit ihren Ergebnissen erkannt, die älteren Forscher, vor allem diejenigen des 19. Jahrhunderts, betrachteten die Jahre 1201 bis 1227 immer als Fremdherrschaft und meinten, Lübecks Bedeutung sei erst durch die Reichsfreiheit begründet. Aber zu Waldemars Zeiten wurden die Baulandgewinnungsmaßnahmen durchgeführt, die Stadtmauer angelegt und die ersten profanen Backsteinhäuser errichtet. Und um diesem zu gedenken, hat der Bereich Archäologie zusammen mit der Archäologischen Gesellschaft dieses Jahr den Waldemarstag gefeiert. Der Waldemarstag wird in Dänemark seit 1912 begangen und erinnert an die Schlacht von Lyndanisse, als der Legende nach im Jahre 1219 der Dannebrog vom Himmel fiel. Dieser Tag jährte sich also am 15. Juni 2019 zum 800. Male.
Und so traf man sich zu einem Kolloquium in den Pastorenhäusern von Jakobi. Dort hielten zunächst die dänischen Kollegen in gutem Deutsch und sehr lebendig ihre Vorträge. Leif Plith Lauritsen thematisierte die Archäologie der Waldemarszeit und den frühen Backsteinbau in Dänemark, Thomas Roland stellte die Persönlichkeit Waldemars in den Mittelpunkt und referierte über Waldemars Frauen und sein persönliches Katastrophenjahr. Danach sprach Frauke Witte über das Danewerk mit der Waldemarsmauer, die neuen Datierungen und die Wichtigkeit dieses Monuments für die Dänen. Prof. Dr. Oliver Auge aus Kiel stellte die Schlacht von Bornhöved und ihre Folgen für Waldemar vor, die politischen Verflechtungen und Taktiken und wie die Lübecker die Schlacht von Bornhöved für sich ausschmückten. Danach berichteten die Lübecker Archäologen Prof. Dr. Manfred Gläser, Ingrid Schalies und Doris Mührenberg über die Baulandgewinnungsmaßnahmen, die Backsteinbauten, den Hafen und die Sachkultur zu Beginn des 13. Jahrhunderts, also zur Dänenzeit in Lübeck. Als Geschenk gab es von den dänischen Kollegen einen kleinen Dannebrog für das Sitzungszimmer der Archäologen und zur Mittagspause natürlich Smørrebrød, Minipølser und einen kleinen Aquavit.
Und da an diesem Wochenende auch die Tage der Europäischen Archäologie begangen wurden, wurde das Programm mit einem archäologischen Spaziergang am Freitagabend und dem Tag der Offenen Grabung am Sonntag in der Fischergrube abgerundet. (DM)
(Dieser Text erschien erstmals am 29. Juni 2019 in den Lübeckischen Blättern 2019, Heft 13)
Zum Seitenanfang